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  Arch-Linux % Manjaro Linux % Antergos Linux
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   Autor  Thema: Arch-Linux % Manjaro Linux % Antergos Linux  (Gelesen 218 mal)
Andreas
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Arch-Linux % Manjaro Linux % Antergos Linux
« am: 21. Dezember 2018, 07:06:48 »

Ich möchte mein Fazit starten und ggf. zu späterem Zeitpunkt ergänzen. Mein aktueller Stand ist aber aussagekräftig genug für ein Statement.

Die Basis dieser Distris ist Arch Linux
Arch Linux ist eine Distri, die sich an den fortgeschritteneren Linux-User richtet. Die Installation findet ausschließlich auf der Konsole statt, das Basissystem bringt keine GUI mit sich. Auch ansonsten ist die Softwareausstattung auf ein absolutes Minimum beschränkt. Für den Fortgeschrittenen bedeutet das, dass er sich nicht um die Deinstallation von irgendwas kümmern muss, was er nicht wollte. Für alle bedeutet das, dass bei einem solchen "nacktes" System sehr viel Software, die bei anderen Distris Standard ist, selbst nachinstalliert werden muss.

Die Auswahl an Softwarepaketen in den normalen Repositories geht über den absoluten Standard nicht hinaus - auch fehlende Standardsoftware ist nicht selten. Kein Wunder: In den Debian-Repos sind über 70000 Pakete - bei Arch sind es man gerade 10000. Dafür bietet Arch einen weiteren Mechanismus für die Installation von Software, der nahezu genial ist. Software muss nicht mehr einen Ablauf von "offiziellen Prüfungen" und den Schreibtisch eines Maintainers durchlaufen, um erreichbar zu sein. Jeder einzelne Entwickler kann selbst eine Datei in seine Software aufnehmen, mit deren Hilfe Arch-basierte Distris ein Paket selbst erzeugen und dann installieren können! Dadurch ist das Manko von fehlender Software mehr als ausgeglichen: Mit dieser Methode (den sog. "AURs" - Arch User Repositories) übertrumpft Arch sogar Debian. Dadurch, dass diese Software nicht "per Hand installiert wird" sondern zunächst ein (Arch)-Paket erstellt wird das dann installiert wird, ist eine Arch Installation trotz dieser Vielfalt an Software genauso gut strukturiert wie ein Debian-System. Es ist jederzeit nachvollziehbar, aus welchem Paket eine x-beliebige Datei stammt. Außerdem ist sichergestellt, dass aktuelle Software sofort Einzug hat und nicht wie bei Debian Monate bis Jahre später. Aber kein Vorteil ohne Nachteil: die Installation solcher AUR Software ist mehr ein "selbst bauen" als eine Installation. Man sieht sogar die Compiler- und Linkerläufe, und wenn irgendwas schiefläuft, ist man ohne gerütteltes Fachwissen nicht in der Lage das Paket zu installieren (es wird aber auch nichts kaputtgemacht - weil diese Fehler schon beim Bauen passieren und nicht bei der Installation). Das Gleiche gilt bei Updates: Ohne Fachwissen wird man sich ein Arch über kurz oder lang in einen nicht mehr wartbaren Zustand versetzen (dies ist aktuell eine starke Vermutung - ich habe noch nicht lange genug getestet).

Antergos Linux
baut komplett auf Arch auf. Es werden die gleichen Repositories benutzt wie bei Arch - und es kommen noch eigene (Antergos) Repositories dazu. Antergos unterscheidet sich vor Allem bei der Erstinstallation sowohl in der Haptik als auch in der Ausstattung des Grundsystems. Beides ist auch für den Anfänger nutzbar und man erhält sofort ein System mit grafischer Oberfläche und einer Standard-Softwareausstattung (vergleichbar mit Debian-Distris). Alles andere ist identisch mit dem zu Arch geschriebenen. Die Repos sind ja absolut kompatibel mit Arch - es gibt lediglich Antergos-spezifischen Zusätze. Wenn ein Anfänger "eine steile Lernkurve hinlegen will" ist er bei Antergos sehr gut aufgehoben. Die Anfangshürden sind niedrig, nur bei der Systempflege und der Nachinstallation von Programmen muss er sich schnell Fachwissen erarbeiten - sonst hängt ihn jeder Debian-Benutzer im Umgang mit seinem System hoffnungslos ab. Tut er das aber: hängt er die Debian-Nutzer ab. Mit "nach oben offenem Potential". Antergos ist also eine Anfänger-geeignete Arch Distribition mit 100% Kompatibilität. Einzig Antergos-eigene Pakete stehen ab und zu "auf Kriegsfuß" mit den Arch-Paketen. Das war aber bislang (ca. 8 Monate) leicht zu lösen.

Manjaro Linux
Die Maintainer von Manjaro haben sich weiter von ihrem Ursprung "Arch" entfernt. Hier werden nicht die originalen Arch-Repos für die Software verwendet - vielmehr gibt es hier einen "Zwischentest" bei Manjaro (ähnlich wie bei Debian) bei dem Pakete aus Arch erst ausgiebig getestet werden bevor sie in Manjaro einziehen können. Also keine "Arch-Repos" - sondern eigene "Manjaro-Repos". Was sich anfangs gut anhört, ist aber bei näherer Betrachtung ein "dickes Ei im Nest":
Der Bärenanteil der Software befindet sich ja in den AURs - und die sind darauf abgestimmt, dass der Rest des Systems den gleichen Stand hat wie Arch - also ohne Verzögerung wie bei Manjaro. Es ist menschenunmöglich, eigene "Manjaro-AURs" zu erstellen - und von den Entwicklern der AURs selbst ist das nicht zu erwarten. Diese werden - mit Recht - darauf aufbauen, dass sie eine Basis wie bei Arch vorfinden, und keine "Derivate". Im Resultat ist jede Nachinstallation von Software aus den AURs mit einem höheren Risiko eines Fehlschlages verbunden, ebenso jedes Update. Generell kann man sagen, dass Software, deren Pflegezyklus eher langsam ist (oder sich seit Jahren nichts mehr getan hat) auch bei Manjaro gut installier- und wartbar ist. Je mehr sich in der Softwareentwicklung jedoch tut - also je aktiver ein Projekt ist - desto näher wird es sich an den Original Arch Repos befinden - und damit unter Manjaro große Schwierigkeiten bereiten.

Manjaro ist in der Installation einen gefühlten Tick anfängergeeigneter als Antergos - bringt aber den meiner Meinung nach schwerwiegenden Nachteil mit sich, dass eine Kompatibilität mit Software aus dem Arch sehr viel niedriger ist als bei Distris, die die originalen Repos von Arch benutzen (also z.B. Antergos). Das kann man sogar offiziell in der Beschreibung von Manjaro finden - aber oft ist der Wille, etwas anderes zu glauben ("wird schon nicht so schlimm sein") mächtiger als die Realität...

Der Anfänger kann solche Abwägungen und Beurteilungen nicht eigenständig ausführen und ist blind auf externe Infos angewiesen. Dabei werden viele durch Hypes wie auf "Distrowatch" gelenkt werden und zu Manjaro greifen. Dass es schon bei etlicher Standard-Software bei der Nachinstallation schwierig bis auf "für den Anfänger nicht machbar" ist - das merken sie erst wenn sie etwas tiefer in das System einsteigen wollen. Dummerweise reicht hier eine Lernkurve wie bei Arch selbst oder Antergos nicht aus - denn bis auf die manchmal klemmenden Installationen kommen hier noch Inkompatibilitäten hinzu, deren Beherrschung ein deutlich höheres Wissensniveau verlangen. Ich bin gespannt, wie sich gerade Antergos und Manjaro in Zukunft etablieren.

Als Gesamtfazit kann ich Arch basierte Distributionen für den weiter fortgeschritteneren User sehr empfehlen. Man bekommt noch mehr Tuning-Möglichkeiten, noch mehr "Macht" in die Hände. Man hat noch aktuellere Software und ein noch schlankeres System verglichen mit Debian. Auch ist es für Software-Neuerungen leichter "in die Repos zu kommen" - in die AURs. Wenn jemand da rein möchte, ist seine neue Software in wenigen Tagen für alle erreichbar. Das ist die "Gesellschaftsform 3.0". Die setzt aber auch mental weiterentwickelte Menschen voraus als heute in Mehrheit existieren (ich denke an "böse Buben"). Aktuell scheint es so dass das "viele Augen sehen mehr als wenige" (die Überprüfung von Neuheiten durch die Community selbst) Prinzip gut funktioniert. Ich kann in der Tat keine Beweise finden dass in den AURs Schadsoftware ist. Ubuntu bringt auf jeden Fall bei einer Erstinstallation mehr davon mit (nach meiner Definition von "Schadsoftware").

Dem Anfänger, der nur vor hat zu benutzen, kann ich, wenn überhaupt, nur Manjaro empfehlen  und auch dann nur mit einer deutlichen Warnung. Wer mehr will als absolute, wirklich absolute Standardsoftware lebt hier mit einem deutlich höheren Risiko bei Installation und Pflege seines Systems. Wer dagegen wirklich ausschließlich "Im Internet surfen, Filme und Bilder anschauen, Emails empfangen und versenden und Office-Arbeiten" machen will der ist auch bei Manjaro gut aufgehoben. Aber jedes kleine Interesse über diesen Tellerrand hinaus kann in einem "Abenteuer ohne Erfolg" enden. Auch mit steilerer Lernkurve!

2be continued
Andreas
« Letzte Änderung: 21. Dezember 2018, 17:50:03 von Andreas » Moderator benachrichtigen   Gespeichert

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Re:Arch-Linux % Manjaro Linux % Antergos Linux
« Antwort #1 am: 21. Dezember 2018, 08:10:44 »

Hallo Andreas,

ich habe noch nie eine solch genaue und umfassende Zusammenfassung der 3 Distris gesehen. Hierzu kann ich dir daher nur gratulieren! Tatsächlich hast du hier im Grunde die Gründe aufgelistet, warum ich letztendlich bei einem "nackten" Arch gelandet bin.

Ich würde vorschlagen, dass du diesen Thread anpinnst, damit Andere den Thread auch in Zukunft schneller finden können.

Ich wusste das Manjaro nicht die offiziellen Repos von Arch verwendet. Deshalb kam Manajro auch nie für mich in Frage. Das hatte aber weniger etwas mit der Kompatibilität zu tun als vielmehr mit der Sicherheit. Denn verschiedene Tests ergaben, dass Manjaro für gewöhnlich mindestens eine Woche länger braucht um Sicherheitsupdates rauszubringen.
Das ist aber auch kein Wunder. Denn sie müssen ja auch Arch warten.

Da ich mir nicht die Mühe machen wollte, Arch auf der Konsole zu installieren - und das wie eine unmögliche Aufgabe für mich schien - hab ich Antergos genommen. Erst später fand ich raus, dass Antergos eigene Repos hinzufügt. Das wäre an sich kein Problem, wenn nicht gerade die hin und wieder Probleme bereitet hätten.

Als ich mich dann dazu durchrang Arch "nackt" zu installieren, war ich überrascht wie gut das dokumentiert ist. Und vor allem hatte ich plötzlich die volle Power über mein System.
Hast Kein EFI BIOS, möchtest aber nicht auf MBR hocken? Kein Problem.
Du möchtest kein Xorg, sondern rein Wayland? (z.B. Sway)? Kein Problem.

Nach meiner ersten "nackten" Arch Installation hab ich Blut geleckt. Ich denke nicht, dass ich nochmal einen grafischen Installer für Arch verwenden werde.

Vielleicht sollte ich mir mal LinuxFromScratch ansehen ... 

Schöne Grüße
Chris
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Re:Arch-Linux % Manjaro Linux % Antergos Linux
« Antwort #2 am: 21. Dezember 2018, 11:23:57 »

...oder beiß Dich mal durch den Konsoleninstaller durch -  hier ist ein guter Startpunkt. Das wird keine unüberwindliche Hürde sein - aber wenn Du Dich nicht zwischendurch verlieren willst solltest Du einen Zweitrechner am Start haben, wo Du bei Problem im Netz nach Lösungen suchen kannst. So habe ich das auch gemacht.

Es ist keine Schande wenn man nach Lösungen suchen muss. Und es bringt einen definitiv weiter.

LG
Andreas
« Letzte Änderung: 21. Dezember 2018, 11:28:58 von Andreas » Moderator benachrichtigen   Gespeichert

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Re:Arch-Linux % Manjaro Linux % Antergos Linux
« Antwort #3 am: 10. Mai 2019, 10:40:05 »

Okay, das kommt jetzt etwas SEHR spät von mir, aber ...

... ich habe mein Arch Linux anhand des  Artikels installiert, auf den du bereits verwiesen hast. Denn erst da hat man die volle Kontrolle über sein System und kann bestimmen, was *genau* man haben möchte.

Wenn man während der Installation kann man übrigens auf die mitgelieferte Anleitung zurückgreifen. Diese ist ebenfalls ziemlich gut.

Und was die ganze Angelegenheit noch einfacher macht: Man kann sich anhand des Artikels ein "Installations-Skript" erstellen und dieses in einer VM testen. Das gibt einem die Möglichkeit, gefahrlos eine Installation "zu simulieren" bevor man es auf seinen eigentlichen PC ausführt.

Alternativ kann man sich solche Skripte auch von anderen herunterladen - davon wird aber generell abgelehnt.

Bei mir ist das übrigens so, dass ich mir die Zeit nehme wochenlang am Skript arbeiten. Aber ich will keine Zeit mit der Installation von Windows oder einer auf Debian basierten Distro verbringen. Paradox, oder?
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Re:Arch-Linux % Manjaro Linux % Antergos Linux
« Antwort #4 am: 10. Mai 2019, 12:53:36 »

Hi Chris,

ich denke nicht dass das paradox ist. Durch jedes Installationsscript lernt man dazu. Mein mittelfristiges Zeil ist es ein auf Arch basiertes System aus Clients und einem Server für den Schulalltag zu erschaffen. Die meisten existenten Systeme basieren auf Debian und haben somit ein "Verfallsdatum". Zwar kein endgültiges - aber es werden alle paar Jahre Mammutupgrades nötig die oft Probleme mit sich bringen. Das möchte ich zu Gunsten der effizienten Systempflege vermeiden. Was meinst Du wie viele Scripte ich da schon hatte. Mittlerweilen ist das vorhandene so gut dass es nur noch erweitert und verbessert wird.

Und der Server (mit Update-Paket-Proxy) ist eine echte Herausforderung - im positiven Sinne.

LG
Andreas
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